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Das Smartphone als Übergangsphänomen

Konrad Lischka
Konrad Lischka
2 minuten gelesen
Das Smartphone als Übergangsphänomen

Virtuelle Realität beginnt im Bildschirm eines Mobiltelefons. Das war im Jahr 2000 eine steile These von mir. Es hat etwas gedauert, aber inzwischen sieht man in jeder U-Bahn, wie sich der Cyberspace über unsere physische Wirklichkeit stülpt: Die Körper parken in den Sitzen, ein Teil des Lebens der Pendler spielt sich gerade anderswo ab. An einem Ort, den jeder über das Smartphone-Display erreicht. Dieses Smartphone-Konzept, ist nicht einmal zehn Jahre alt. Vielleicht sind diese kleinen Bildschirme nur ein interessantes Übergangsphänomen, das uns 2027 so bedeutend wie Wap und iMode vorkommen wird.

Steile These: Mixed Reality verdrängt die Displays

Dass das so kommen kann, ist die steile These dieser Wired-Titelgeschichte über virtuelle Realität. Wenn Wired recht hat, sieht die Schnittstelle zur virtuellen Realität in zehn Jahren so aus, wie man sie sich in den Achtziger vorgestellt hat: Datenbrillen!

Wired beschreibt sehr interessante Mixed-Reality-Ansätze. Ausprobiert haben die bislang ein paar tausend Menschen, wenn es hochkommt. Wenn es wirklich funktioniert, sieht das im Büroalltag so aus: Man sieht die physische Umwelt –  Wände, Schreibtisch, die Kollegen vor Ort. Und wo immer man einen Bildschirm braucht in dieser Welt, legt die Software eine Fläche über die physische Wirklichkeit. Kein 40-Zoll-Fernseher im Konferenzraum mehr, kein Bildschirm am Schreibtisch, kein Telefondisplay mit der Anrufliste. All das kann man virtualisieren, physische Bildschirme sind nicht wichtig. Das ist keine Vision für das Jahr 2027 – so sollen im nächsten Jahr die Menschen bei Magic Leap und Meta 2 arbeiten. Wired:

„I found virtual screens and virtual media within a virtual reality surprisingly natural and practical. At Magic Leap, the development team will soon abandon desktop screens altogether in favor of virtual displays. Meron Gribetz, founder of Meta, says that its new Meta 2 mixed-reality glasses will replace monitors in his company of 100 employees within a year. It’s no great leap to imagine such glasses also replacing the small screens we all keep in our pockets. In other words, this is a technology that can simultaneously upend desktop PCs, laptops, and phones.“

Aber auch wenn sich das Smartphone tatsächlich als kurzfristiges Übergangsphänomen erweisen sollte: Die drei grundlegenden Veränderungen, die es gebracht hat, werden sich wohl noch beschleunigen:

1. Die physische Realität wird maschinenlesbar

Dem Smartphone als Sensor verdanken wir zum Beispiel, dass Verkehrsprognosen präziser und schneller verfügbar sind. Wie wird man Daten über die Nutzung von Mixed-Reality-Anwendungen analysieren? Vielleicht misst jemand, wer in teilweise virtualisierten Besprechungen welche Teammitglieder wie oft anschaut. Kann man daraus Rückschlüsse über das soziale Gefüge in einem Team ziehen? Darüber, wie es wirkt, was da gerade jemand sagt?

2. Neue Schnittstellen stülpen der Welt neue Geschäftsmodelle über

Uber oder Mytaxi wären ohne Smartphones nicht möglich. Wie Mixed Reality wohl das Geschäft der Außenwerber verändert?

3. Neue Schnittstellen verteilen Aufmerksamkeit anders

Medien liefern heute Videos und Texte großen Medienplattformen wie Facebook, Snapchat und Youtube zu, die den direkten Kontakt zu den Menschen haben. Das wäre ohne Smartphones nicht so schnell und in diesem Ausmaß geschehen. Eine Schnittstelle, die das leisten kann, was der Fernseher, der Smartphonebildschirm und der Monitor auf dem Schreibtisch tun, wird die Aufmerksamkeit der Menschen komplett neu verteilen.

Blog

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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