Zum Inhalt springen

Die Paradoxie des Vertrauens in Medien, Legislative, Wissenschaft

Konrad Lischka
Konrad Lischka
1 minuten gelesen
Die Paradoxie des Vertrauens in Medien, Legislative, Wissenschaft

Wann können wir Institutionen vertrauen? Viele Menschen zeigen derzeit sehr lautstark, dass sie gerade das nicht tun – eine drängende Frage also.

Meine Antwort: Vertrauens lässt sich nicht am Output einer Institution allein festmachen. Es kann nicht das Kriterium sein, ob das nun das richtige Gesetz, das wahre wissenschaftliche Ergebnis, das angemessene Urteil, die zutreffende journalistische Analyse ist. Eine derart absolute Aussage setzt totale Kenntnis der Vergangenheit und Zukunft voraus. Geht nicht, gibt’s nicht.

Es zählt der Prozess. Ein paar Kriterien:

  • Sind möglichst viele Sichtweisen einbezogen?
  • Wirken sie methodisch klar zusammen?
  • Ermöglicht das Verfahren systematisch Falsifikation von Erkenntnissen?
  • Sind die Verfahren überprüfbar?
  • Ist die Institution darauf angelegt, bei neuen Erkenntnissen alte Schlussfolgerungen zu revidieren?

So sollten die Einrichtungen funktionieren, mit denen Gesellschaften zwei wichtige Frage beantworten:

  • Was ist los?
  • Was ist zu tun?

So arbeitet die Wissenschaft, so arbeiten Parlamente, Gerichte und Medien. Als System betrachtet, im Einzelfall sieht es immer anders aus. Das ist der Wesenskern dieser Aushandlungsprozesse von wahr und richtig: Sie funktionieren nur, wenn im Einzelfall immer wieder sichtbar wird, dass sie nicht funktionierten. Die Welt ist komplex und ändert sich auch noch ständig – daher ist diese Fehlerkultur unerlässlich.

Die Paradoxie: Das Vertrauen in Medien, Legislative, Judikative, Wissenschaft und andere Institutionen kann nur auf einem Prozess beruhen, der diese Vertrauen fortwährend öffentlich durch Falsifikation im Einzelfall erschüttert.

Blog

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
Immer gut: Newsletter abonnieren


auch interessant

Bahnstreik und Bahntarif - gut zu wissen

Was mich nervt: Aktuelle Happen in der Berichterstattung, ohne Einordnung und Hintergrund - zum Beispiel beim Bahnstreik. Viel Aufregung, viele Zitate, aber wenig Rahmen, um das einzuordnen. Ich hätte gerne in jedem Beitrag zum Thema einen Werkzeugkasten, um das gerade Aktuelle einordnen zu können. Bei der Tarifauseinandersetzung zum Beispiel: Wie

Bahnstreik und Bahntarif - gut zu wissen

Das Dilemma beim bezahlbaren Wohnraum: 2,5 Mrd. Subventionen für Neubau, 20 Mrd. für hohe Mieten

Ein paar Zahlen zum Wohnungsmarkt in Deutschland: * In Deutschland fehlen derzeit 910.000 Sozialwohnungen (Wohnungsmarkt-Studie vom Pestel-Institut S. 29) * In Deutschland lag die Quote von Baugenehmigungen für Wohngebäude Anfang 2023 bei rund 70 % der Genehmigungen in 2015 (Eurostat via FT) * Für 2024 rechnet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes ZDB mit

Das Dilemma beim bezahlbaren Wohnraum: 2,5 Mrd. Subventionen für Neubau, 20 Mrd. für hohe Mieten

Fun Facts (1)

Produktivität = BIP / Stunden Lohnarbeit Deutschland, Frankreich und die USA liegen bei der Arbeitsproduktivität gleichauf. 55 Euro Bruttoinlandsprodukt werden mit jeder Stunde Lohnarbeit erwirtschaftet. Die Zahlen sind vergleichbar (inflations- und kaufkraftbereinigt), Basis stammt von OECD, Berechnung von Thomas Piketty (Daten) Geheimwaffe Gurkenwasser In Bayern kommt Recycling-Gurkenwasserim Winterdienst auf die Straßen. Der

Fun Facts (1)