Zum Inhalt springen

Absonderliche Küchem-Gadgets: Schnippschnapp mit der Fünffach-Schere (Spiegel Online, 16.11.2008)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
4 minuten gelesen

Absonderliche Küche-Gadgets

Schnippschnapp mit der Fünffach-Schere

Roboterbäuche als Keksdosen, japanisches Spezialbesteck mit Nudelaufwickler: Erfinder beglücken Hobbyköche mit innovativen Haushaltswaren von bizarr bis hilfreich. Technikfans lieben die Küchenhelfer fast so sehr wie ihren Laptop. SPIEGEL ONLINE zeigt sie.

Spiegel Online, 16.11.2008

{jumi [/images/jumisk/sharethis.php]}

Eigentlich testen die Autoren des US-Blogs
"Crunchgear"
Windows-Handys, Videoprojektoren und Prozessorkühler. Technikspielzeug
eben. Neu in dieser Mischung sind Testberichte über Entsafter. Ja,
Entsafter. Der Tester spart nicht an Kritik ("Der Saftbecher ist ein
wenig klein"), gibt Tipps ("Eine Tüte in den Auffangbehälter zu legen,
vereinfacht das Saubermachen sehr") und einem ausgewogenen Fazit
("ordentlich für einen ‘Einstiegsentsafter’").

{jumi [/images/jumisk/google420.php]}

Diese
merkwürdige Faszination für Haushaltszubehör ist in allen großen
US-Technikblogs nachzulesen. Kein Wunder – denn neben Entsaftern gibt
es in den Vereinigten Staaten Küchenhelfer, von denen deutsche Kunden
nur träumen können. Die Fünffach-Kräuterschere zum Beispiel, die das
Kultblog "BoingBoing" als "wunderbares Requisit für einen Horrorfilm" feiert.

Das ist in "BoingBoing"-Sprache ein Kompliment für eine befremdlich
aussehende, aber in der Praxis schlicht geniale Erfindung: Wer Kräuter
lieber schneidet als hackt, ist mit einer Fünf-Klingen-Schere fünfmal
so schnell. Recht einfach, recht einleuchtend und trotzdem im deutschen
Kaufhaus nicht zu haben.

Wie leider so manche bizarre (und oft geniale) Küchenerfindung aus Übersee.

Star-Wars-Toaster und Spaghetti-Spezialwerkzeug – SPIEGEL ONLINE zeigt bizarre Küchenhelfer aus Japan und Amerika.


Die merkwürdigsten Toaster der Welt

Die gute Nachricht: Endlich gibt es einen offiziellen Darth-Vader-Toaster. Glaubt man den Produktfotos im
Online-Shop der US-Star-Wars-Seite,
brennt der Weißbrotröster von der dunklen Seite der Macht den Umriss
des Helms des Star-Wars-Bösewichts zuverlässig auf Toastscheiben.

Allerdings – die schlechte Nachricht – erst nach Weihnachten. Im
Januar soll der schwarze, klobige, respekteinflößende Star-Wars-Toaster
verschickt werden. Erstmal ausschließlich an US-Kunden und
Star-Wars-Fans in Kanada, für 55 Dollar.

Ein
ganz schwacher Trost für deutsche Toast-Freunde: Der (zumindest in
Japan)legendäre Hello-Kitty-Toaster ist ganz regulär in Deutschland zu
haben – knapp 60 Euro kostet das pink-weiße Gerät beim
Online-Versender. Das krasse Gegenstück zum Vader-Toaster.

Zum Glück ein Einzelstück bleibt der Toaster des britischen
Künstlers Freddie Yauner. Dieser Toaster schießt die gerösteten
Weißbrotscheiben höher als jedes andere Gerät in die Luft – seit dem
geglückten Rekordversucht im Sommer auch Guiness-Buch-geprüft, wie
Yauner stolz meldet.

{youtube}u6lBU3kj420{/youtube}

R2D2-Roboter verstaut Kekse

Er ist klein, knubbelig – und ein Star: Der rollende
Star-Wars-Roboter R2D2 hat die ideale Form, um Stauraum schick zu
verbergen. In den Vereinigten Staaten gibt es eine 30 Zentimeter hohe
Keramik-Nachbildung des im Film fiependen, blinkenden Roboters zu
kaufen.

Innen ist er hohl, den Kopf kann man abnehmen, um R2D2 vollzustopfen. Das IT-Blog
"Technabob"
jubelt: "Wenn bei R2D2 eins klar ist, dann dass er sehr loyal ist und
tun wird, was immer nötig ist, um Wertsachen zu verteidigen."

Dass dem als "Star-Wars-Keksdose" beworbenen Roboter ein Warnhinweis
beiliegt, er sei nicht als Lebensmittelbox gedacht (sichert sich der
Hersteller da gegen mögliche US-Klagen wegen Keramikbelag auf Keksen
ab?), beirrt Star-Wars-Fans nicht weiter. Blog-Kommentar: "Ich versuche
mein Glück, wenn ich Kekse in R2D2s Kopf aufbewahren darf und dafür
eine Bleivergiftung riskiere."

So denken echte Fans.

Dieser Tennisball frisst Geschirrtücher

Dass deutsche Entwicklungen US-Technikblogger begeistern, passiert
selten genug. Umso absurder und schöner, dass es ausgerechnet ein
Verein aus Walldorf geschafft hat: Bei Loony-Design – einer Kooperation
der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart und des Diakonischen
Werks Baden – entwerfen Design-Studenten Alltagsgegenstände, die dann
Menschen mit psychischen Erkrankungen herstellen. Verkauft wird das
Zubehör per Online-Shop.

Einer der Entwürfe aus Baden hat es in das US-Gadgetblog
"Ohgizmo"
geschafft: Mr. Wilson ist ein Tennisball mit Grinsegesicht und
Metallaugen, den man per Saugnapf an die Kacheln in Küche oder Bad
pappt. Dort hängt Wilson dann und beißt in Handtücher.


Japanisches Spaghetti-Spezialwerkzeug

Diese Gabel hat einen Daumen und dieser Daumen hilft beim
Nudelrollen: Man greift mit dem Metalldaumen die Nudeln, rollt und isst
– kein Abrutschen, keine Nudelberge. Einziger Nachteil: Die Calamete
getaufte Gabel gibt es derzeit nur in Japan zu kaufen – für umgerechnet 7 Euro.

Eisige Pinguinwürfel

Stummelflügel,
Stupsschnabel und Riesenfüße – wie süß! Aber eisig: der "Penguin Ice
Box Buddy" ist eine XXL-Eiswürfelform. In der Kunststoffform des
US-Händlers Mookiegifts
gefriert Wasser im Tiefkühlfach zu einer gut 16 Zentimeter hohen
Pinguin-Figur. "Heiz deine Party mit diesen Mini-Skulpturen an", wirbt
der Anbieter.

In der Tat: In einfachen Drinks und Gläsern ist für dieses
Eiswesen kein Platz, der muss schon in einem Sangria-Eimer mit
Party-Ausmaßen schwimmen.

{jumi [/images/jumisk/google720.php]}

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
Immer gut: Newsletter abonnieren


auch interessant

Wer investiert in die Zukunft, wenn alle sparen?

Der common senf aktueller Debatten um Staatsausgaben, Tarifverhandlungen und Zinspolitik scheint mir gerade ein gefährlicher: Alle sollen sparen. Der Staat soll weniger ausgeben und damit der Gesamtwirtschaft Geld entziehen. Arbeitnehmer sollen Reallohnverluste akzeptieren, sparen und damit der Gesamtwirtschaft Geld entziehen. Und Unternehmen sollen sparen, bloß keine Kredite aufnehmen für Investitionen

Wer investiert in die Zukunft, wenn alle sparen?

Paradox der Gegenwart

Einerseits sehen so viele Menschen ihre individuellen (Konsum)Bedürfnisse als das wichtigste Gut, als absolut schützenswert. Überspitzte Maxime: Was ich will, ist heilig – alles geht vom Individuum aus. Andererseits erscheint genauso viele Menschen das Individuum ganz klein, wenn es darum geht, etwas zu verändern in der Welt. Überspitzte Maxime: Ich

Paradox der Gegenwart

Wie Schmecken funktioniert

Gelernt: Geschmack und Aroma sind zwei ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Für jede ist ein anderer Teil im Gehirn verantwortlich. Und jede basiert auf unterschiedlichen Daten: Für den Geschmack kommen Eindrücke von der Zunge, fürs Aroma von Rezeptoren in der Nase. Beides vermischt das Gehirn zum Gesamteindruck Schmecken. Sehr lesenswerter Aufsatz darüber

Wie Schmecken funktioniert