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Apple-Handy: Die besten Tuning-Programme fürs Alt-iPhone (Spiegel Online, 11.7.2008)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
5 minuten gelesen

Apple-Handy

Die besten Tuning-Programme fürs Alt-iPhone

Spiele, Chat-Software, Überallnotizbuch und Universalfernbedienung: Mehr als 500 Programme rüsten alte iPhones zu Kleincomputern auf – gratis oder sehr günstig. Schon beim Start ist die Vielfalt in Apples neuem Software-Portal groß. SPIEGEL ONLINE zeigt die interessantesten Programme.

Spiegel Online, 11.7.2008

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Der Lärm um das neue UMTS-iPhone überdeckte den Start einen
mindestens ebenso interessanten Angebots völlig: Apple hat den
sogenannten "App Store" gestartet, ein Download-Portal für
iPhone-Software, die von Apple, vor allem aber von vielen unabhängigen
Entwicklern geschrieben wurden. Beim Start waren mehr als 500
Anwendungen verfügbar. Dieses Angebot ist auch für die frustrierten
Besitzer von Alt-iPhones interessant, die nicht ein paar Hundert Euro
für ein neues Gerät bezahlen wollen.

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Denn die iPhone-Programme aus dem "App Store" laufen auch auf
Altgeräten – und die besten dieser Programme brezeln das Alt-iPhone zu
einem völlig neuen Gerät auf. Spielkonsole, Minicomputer, Fernbedienung
– alles möglich.

Voraussetzung dafür ist, dass die neuste Version von iTunes auf dem
Computer und dann die neue Version des iPhone-Betriebssystems auf dem
Apple-Handy installiert wird. Die iPhone-Software 2.0 war bei vielen
Anwendern am Freitag früh noch nicht über iTunes zu installieren. Das
Update ist aber mühelos von Hand mit einem Download von einem
Apple-Server zu bewerkstelligen (Anleitung bei iPhoneatlas).

Spiele, Chat und die iTunes-Fernbedienung – SPIEGEL ONLINE zeigt die interessantesten Programme fürs iPhone.


Remote: iPhone als Fernbedienung

Warum
erst jetzt? Ein kleines, kostenloses Apple-Programm verwandelt das
iPhone in eine Fernbedienung für die iTunes-Musikbibliothek am
Heimcomputer und für Apples Fernseh-Box AppleTV. Voraussetzung: Beide
Geräte müssen im selben Drahtlos-Netzwerk eingebucht sein.

Startet man dann die Fernbedienungsoftware auf dem iPhone, erkennt
diese sofort die iTunes-Bibliothek auf einem aktiven Computer im
Netzwerk. Das iPhone zeigt einen Kennwort-Zahlencode ein, den tippt man
am Computer bei iTunes ein und schon ist das Apple-Telefon als
Fernbedienung freigeschaltet.

Beim Test funktionierte das iPhone tadellos als Fernbedienung: Das
Telefon zeigt hübsch und übersichtlich sortiert die gesamte
iTunes-Mediathek an – samt aller Bewertungen, Cover, Abspiel-Listen und
sonstiger Finessen. Der Computer spielt, was man auf dem iPhone antippt
– ohne merkliche Verzögerung. Und: Wenn man iTunes-Stücke vom Sofa aus
mit dem iPhone bewertet, speichert die iPhone-Datenbank auf dem
Heimrechner das. Einfach, kostenlos, toll – nur ein bisschen spät.


Monkey Ball: iPhone-Affe rollt den Bananen hinterher

Das
Spielprinzip von "Super Monkey Ball": Ein Affe rollt in einer Kugel
durch einen Hindernisparcours und sammelt herumliegende Bananen ein.
Das Spiel ist ein Klassiker. Das besondere an der iPhone-Version ist
die Steuerung, die sich an die "Monkey Ball"-Version für Nintendos Wii
anlehnt: Hebt man das iPhone links an, rollt der Affe in seiner Kugel
nach rechts unten, kippt man das Telefon nach vorn, kugelt der Affe
dorthin – je weiter man das Telefon kippt, umso schneller rollt die
Kugel – dank der internen Lagesensoren.

Die Steuerung ist anspruchsvoll – man muss das Telefon sehr
vorsichtig balancieren, um nicht zu schnell zu rollen. Das Spiel
demonstriert eindrucksvoll und recht unterhaltsam, wozu das iPhone
taugt. Allerdings überzeugt die Steuerung nicht ganz: Dass sich die
Kameraperspektive ohne Einfluss des Spielers ändert, irritiert
manchmal. Ärgerlich ist, dass man, wenn man während eines Spiels einen
Anruf annimmt, den Level wieder von vorne beginnen muss. Das Spiel
kostet im "App Store" 7,99 Euro.


Caissa Chess: iPhone als Schachcomputer

Viel
ruhiger als der Kugel-Affe kommt das Schachspiel "Caissa Chess" daher.
Die 3,99 Euro teure Software bietet alles, was man von einem
iPhone-Schachcomputer erwartet: Die Figuren zieht man mit den Fingern
übers Display, eine Partie lässt sich jederzeit speichern, damit man
sie später einmal weiterspielen kann.

Und auf Wunsch gibt die künstliche Intelligenz des
iPhone-Schachcomputer dem menschlichen Gegenspieler sogar Tipps für
seinen nächsten Zug.


Aim: Chatten statt Simsen

Das
AOL-Chatprogramm AIM ist in Apples "App Store" in einer kostenlosen
iPhone-Version verfügbar. Loggt man sich mit einem bestehenden
AIM-Account ein, sind alle von der PC-Version bekannten Funktionen
verfügbar: Buddylisten, Gruppen, Statusmitteilungen – alles vorhanden,
alles sehr einfach und übersichtlich zu bedienen.

Lästig ist allein, dass man das Programm im Vordergrund laufen
lassen muss, um über neue Nachrichten informiert zu werden. Sprich: Wer
telefoniert, E-Mails abruft oder irgendetwas anderes mit seinem iPhone
macht, als AIM-Nachrichten zu überwachen, bekommt nicht mit, dass er
angeschrieben wurde. Fazit: Für einen Chat zwischendurch eignet sich
die iPhone-AIM-Software – um ständig online zu sein, allerdings nicht.

 

Nettes Detail: Man kann mit dem iPhone in wenigen Sekunden ein neues
AIM-Logo für seinen Account knipsen und aktiveren – das geht mit dem
iPhone viel einfacher und schneller als am Computer. Beim Testen
stürzte die AIM-Software allerdings im Laufe von mehreren Stunden
fünfmal ohne nachvollziehbaren Anlass ab. Doch selbst mit solchen
Kinderkrankheiten ist die Software ein günstiger und guter SMS-Ersatz –
zwischen iPhone-Nutzern zumindest.


Facebook und Mobile Flickr: überall im sozialen Netzwerk

Immer
und überall im sozialen Netz: Die kostenlose Facebook-Software fürs
iPhone bietet alle vom Heimrechner bekannten Funktionen unterwegs an.
Eben mal tippen, was man gerade tut, mit Kollegen chatten, schnell
Fotos hochladen – alles möglich, nur ein Offline-Leben eben nicht.

Sehr reizvoll ist die 3,99 Euro teure Software "Flickr Mobile":
Dieses iPhone-Programm stellt alle bekannten Funktionen der
Foto-Gemeinschaft übersichtlich und schnell (selbst mit Edge) auf dem
Apple-Handy dar: Fotos durchforsten, schauen, welche Bilder Bekannte
eben eingestellt haben, die neusten Fotos in den Gruppen begutachten,
bei denen man Mitglied ist.

Genauso mühelos lassen sich mit dem Programm unterwegs
Schnappschüsse bei Flickr veröffentlichen: Selbst mit einem älteren
iPhone und dem etwas langsameren Datenübertragungsstandard Edge hat man
ein mit dem iPhone geschossenes Foto per Mobile Flickr in weniger als
einer Minute geknipst, getaggt, mit einer Überschrift versehen, für
bestimmte oder alle Flickr-Nutzer freigegeben und hochgeladen.

Noch schöner wäre das, wenn das iPhone eine brauchbare interne
Kamera hatte. Doch leider sind die Fotos des Apple-Handys miserabel –
selbst im Vergleich zu anderen Handy-Kameras. Die merkwürdigen Farben
der iPhone-Knipse gehen bei Motiven mit viel Sonne als interessante
Lomographie-Kunst durch, bei Wolken oder in geschlossenen Räumen aber
sind die iPhone-Fotos einfach nur hässlich und gänzlich unbrauchbar.
Die Qualität hat sich beim neuen iPhone nicht verbessert – schade.


Truphone: Internet-Telefonate auf dem iPhone

Die kostenlose Software des britischen Telekomunternehmen Truphone
ermöglicht auf einem iPhone mit Internetanbindung über einen Hotspot
vergleichsweise günstige Telefonate über das Internet-Protokoll VoIP.
Die Truphone-Software lässt sich wie die normale
iPhone-Telefonier-Software bedienen, greift auf dasselbe Adress- und
Telefonbuch zurück.

Der Unterschied: Die Gespräche laufen über das Internet, kosten zum
Teil deutlich weniger als über das Mobilfunknetz und werden direkt mit
Truphone verrechnet. Dazu muss man ein Konto bei dem Unternehmen
einrichten und seine Kreditkartennummer hinterlegen.

Preisbeispiel: Gespräche mit Festnetz- und Mobilfunknummern in den
Vereinigten Staaten und China kosten über das Truphone-Netz weniger als
vier Cent in der Minute. Call-by-Call-Anbieter unterbieten diese Tarife
im Festnetz zwar – aber diese Vorwahlen sind eben nicht an jedem
Anschluss nutzbar – der Truphone-Dienst mit dem iPhone hingegen bei
jedem Internet-Hotspot. Beim Selbstversuch war die Truphone-Software in
wenige Minuten installiert und das Konto aktiviert. Ein Anruf über VoIP
bei einem deutschen Festnetzanschluss lief problemlos ab, die
Klangqualität war ordentlich.

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Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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