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Asus Padfone: Das Tablet mit der Smartphone-Klappe (Spiegel Online, 16.7.2012)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
4 minuten gelesen

Asus Padfone

Das Tablet mit der Smartphone-Klappe

Klappe auf, Smartphone rein, und aus dem Telefon wird ein Tablet. Das Asus Padfone ist ein Technik-Paket mit innovativen Bausteinen: dünnes Telefon, dickes Tablet-Gehäuse und ein Stift, mit dem man sprechen kann. Wir haben das Gerät ausprobiert.

Spiegel Online, 16.7.2012

{jumi [*3]}

Ist das nicht Verschwendung? Wer mit einem Tablet-PC und einem Smartphone unterwegs ist, hat zwei Prozessoren, zwei Speicher-Chips und eine Menge weiterer identischer Bauteile in zwei unterschiedlichen Gehäusen dabei. Dabei will man doch in ruhigen Augenblicken auf einem größeren Bildschirm dieselben oder doch wenigstens ähnliche Anwendungen nutzen wie auf dem Smartphone.

Diese Doppelnutzung will Asus mit seinem Padfone effizienter gestalten. Die Idee: Man schiebt das Smartphone in einen Steckplatz des Tablets, nutzt weiterhin den Speicher, Prozessor und Grafikchip des Telefons, nun aber auf einem mehr als doppelt so großen Bildschirm. Im Tablet-Gehäuse steckt nur ein Akku und der Bildschirm, der Rest der Technik ist im Smartphone untergebracht.

Der taiwanische Hersteller Asus ist für ungewöhnliche Konstruktionen bekannt: Das allererste Netbook war 2007 der Asus EeePC 701. Seit 2011 verkauft der Hersteller unter der Bezeichnung Transformer Tablet-PC, die man mit einer Anstecktastatur zu einem aufklappbaren Netbook umfunktionieren kann. Nun also ein Smartphone, das zum Tablet wird und mit einer zusätzlichen Tastatur sogar noch zum Netbook erweitert werden kann. In Deutschland gibt es das Gerät ab 1. August.

Funktioniert das?

Mechanisch läuft die Transformation vom Smartphone zum Tablet reibungslos: Man öffnet die Klappe an der Rückseite des Tablet-Schirms (Padfone Station genannt), schiebt das Telefon hinein. Es vibriert nach dem Einrasten kurz, und schon kann man das Telefon als Tablet nutzen – eine Sache von wenigen Sekunden, genauso wie die Rückverwandlung.

Programmwechsel nur nach Neustart

Die Software kommt bei der Verwandlung allerdings nicht ganz so reibungslos mit. Auf dem Smartphone laufende Anwendungen werden geschlossen, sobald es in den Tablet-Schirm einrastet oder entnommen wird, die Umstellung der Bildschirmgröße funktioniert nur nach einem Neustart der Programme. Asus bietet zwar eine Erweiterung für Apps an, mit der dieser Wechsel der Bildschirmauflösung ohne Neustart klappt, doch die müssen Entwickler selbst in ihre Apps integrieren, das dürfte also dauern. In bereits optimierten Apps wie dem Notizprogramm Supernote funktioniert der Display-Wechsel problemlos.

Allerdings stört der zwingende Neustart von Apps beim Tablet-Telefon-Wechsel im Alltag nicht sehr. Ärgerlich ist es, wenn man einen nicht gespeicherten Textentwurf verliert, weil die App beim Tablet-Telefon-Wechsel einfach geschlossen wird. Aber so oft kommt es nicht vor, dass man einen Text tippt und dann sofort auf einem kleinen Bildschirm weiterarbeiten will. Wenn man sich zum Lesen aufs Sofa setzt, will man vermutlich ohnehin andere Apps nutzen als gerade eben im Bus auf dem Smartphone. Der Wechsel zwischen Telefon und Tablet könnte zwar besser funktionieren, ist aber in der jetzigen Form alltagstauglich.

Dickes Tablet, schlankes Telefon

Als Smartphone und als Tablet an sich betrachtet, sticht das Padfone nicht besonders aus der Masse der Android-Geräte hervor – weder positiv noch negativ. Die Bildschirme von Telefon und Tablet bieten eine ordentliche Auflösung (960 x 540 / 1280 x 800 Pixel), allerdings wirken die Farben etwas verwaschen. Weiße Farben haben auf dem Bildschirm des Telefons bei niedriger Hintergrundbeleuchtung einen leichten Rotstich. Aber das kann auch eine Eigenart des Testgeräts sei, das nicht aus der Serienproduktion kommt.

Als Betriebssystem nutzt Asus beim Padfone Android 4.0.3, das den Wechsel von Telefon- zu Tablet-Auflösung mühelos beherrscht. Programme laufen flüssig, Videowiedergabe, Surfen auf Websites, Scrollen in langen Texten und das Blättern in Digitalausgaben von Zeitschriften beim Anbieter Zinio, das alles funktioniert gut. Ein Nachteil des Tablets ist sein Gewicht: 855 Gramm wiegt die Padfone Station mit eingerastetem Smartphone, spürbar mehr als die meisten vergleichbaren Tablets (ein iPad 2 wiegt beispielsweise gut 610 Gramm). Hinzu kommt, dass die Padfone Station recht dick und vor allem unregelmäßig dick ist. Legt man das Tablet auf einen Tisch, wackelt es beim Tippen wegen des Buckels der Smartphone-Halterung hin und her. Man sollte immer die mitgelieferte Tablet-Tasche nutzen, die man zur Halterung umklappen kann. Das Smartphone hingegen ist angenehm leicht und dünn, es fühlt sich viel besser an als die Tablet-Halterung.

Ein Stift zum Telefonieren

Asus verkauft in Deutschland das Padfone nur in Kombination mit der Padfone Station, als Preis empfiehlt der Hersteller 699 Euro. Zu dem Paket gehört auch ein sehr nützliches Hilfsmittel – der Stift, mit dem man sprechen kann. Der Metallstift hat einen Gummiknubbel an der Spitze. Damit kann man den Touchscreen des Tablets bedienen. Außerdem sind ein Lautsprecher und ein Mikrofon eingebaut. Sobald man den Telefonstift per Bluetooth ans Padfone gekoppelt hat, kann man mit ihm telefonieren. Das funktioniert gut und ist unerlässlich, schließlich ruft ja vielleicht auch mal jemand an, wenn das Telefon im Tablet steckt.

Für wen lohnt sich diese Gerätekombination? Es gibt viele leichtere Tablets, es gibt einige attraktivere Smartphones. Das Padfone-Paket ist vielleicht etwas für Einsteiger, die gerne ein Tablet hätten und ihr altes Smartphone durch ein moderneres Gerät ersetzen wollen. In diesem Fall könnte das Paket sogar günstiger sein als ein (leichtes, schlankes) Tablet plus Smartphone. Das Padfone ist in dieser ersten Version die ordentliche Umsetzung einer guten Idee. Tatsächlich aber wird das Gerät in Deutschland eher noch ein bisschen teuer: Am Montag teilte E-Plus mit, dass das Padfone ab dem 1. August exklusiv über die E-Plus-Tochter Base erhältlich sein wird. Ohne Vertrag und Tastatur-Dock soll es dort 719 Euro kosten.

Für Kunden, die mit ihrem Smartphone und ihrem Tablet zufrieden sind, ist die etwas pummelige Padfone Station jedenfalls nicht attraktiv genug, um auf beide Geräte zu verzichten – vielleicht beim Nachfolgemodell.

Tablets: Asus Padfone, iPad 2, Google Nexus 7
Kamera Padfone (Telefon) Padfone (Telefon im Tablet) iPad 2 Samsung Galaxy Tab 2 7.0
günstigster Preis * 699 Euro (Preisempfehlung für Kombination) 699 Euro (Preisempfehlung für Kombination) 464,99 299
Maße (Gehäuse, cm) 12,4 x 6,42 x 1,25 27,3 x 17,69 x 1,35 24,1 x 18,6 x 0,88 19,4 x 12,2 x 1,05
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 99,51 651,96 394,47 248,51
Gewicht (Gramm) 130 855 613 347
Bildschirm (Diagonale in Inch, Auflösung) 4,3 Zoll / 960 x 540 10,1 Zoll / 1280 x 800 9,7 Zoll / 1024 x 768 1024 x 600
Betriebssystem Android 4.0.3 Android 4.0.3 iOS Android 4.0.3
Prozessor 2x 1.5GHz 2x 1.5GHz 2 x 1 GHz DualCore 1 GHz
Arbeitsspeicher 1 Gb 1 Gb 512 MB 1 Gb
Speicherplatz 16/32/64 Gb intern 16/32/64 Gb intern 16 Gb intern 8 Gb (16 Gb 358 Euro)
Speicherkartenplatz microSD-Steckplatz microSD-Steckplatz kein microSD
Funk W-Lan 802.11 b/g/n; UMTS-Quadband (850/900/1900/2100 W-Lan 802.11 b/g/n; UMTS-Quadband (850/900/1900/2100) W-Lan 802.11 a/b/g/n; UMTS-Quadband (850/900/1900/2100) W-Lan 802.11 b/g/n; GSM/GPRS/EDGE (850/ 900/ 1800/ 1900 MHz); UMTS HSUPA / HSPA+ / Bluetooth 3.0
Akku 1520 mAh 1520 mAh + 6600 mAh 6944 mAh 4000mAh
Sunspider Standardbrowser ** (Javascript Benchmark, weniger ist besser) 1750,1 ms 1750,1 ms 2021,9
An3DBenchXL (Grafikleistung, mehr ist besser) 36486 36486

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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