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Geotagging: Kostenlos-Software motzt Diashow zum Bildatlas auf (Spiegel Online, 3.2.2008)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
4 minuten gelesen

Geotagging

Kostenlos-Software motzt Diashow zum Bildatlas auf

Aus ein paar Schnappschüssen von der Sonntagsfahrradtour machen Web-Programme spannende, interaktive Reiseberichte: Anhand von Positionsdaten verorten sie Fotos auf Karten. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie man das bequem und kostengünstig schafft.

Spiegel Online, 3.2.2008 (mit Matthias Kremp)

Wenn Programmierer François Schnell auf seinem Fahrrad durch Straßburg rast, hat er einen GPS-Empfänger an den Lenker geschnallt. Schnell karotgrafiert die Stadt – sein kleiner Beitrag zum Projekt OpenStreetMap, einer Datenbank mit freien digitalen Geo-Informationen, zusammengetragen von Hunderten Freiwilligen. Im Online-Bilderdienst Flickr kann man Schnell bei der Arbeit zusehen – denn jedes Foto, das er unterwegs schießt, ergänzt Schnell später um die genauen Positionsdaten aus seinem GPS-Empfänger. Dafür hat er sogar ein Programm geschrieben. Die Grundlage für solche geschickten Verknüpfung von Digitalfotos mit Landkarten zu lebendigen Wegbeschreibungen sind Positionsdaten in den Fotos. GPS-Empfänger, wie Programmierer Schnell sie auf seinen Fahrradtouren nutzt, kann man heute für weniger als 100 Euro kaufen, SPIEGEL ONLINE hat einige dieser günstigen Geräte getestet.


Aber Geotagging geht noch günstiger.

SPIEGEL ONLINE erklärt Schritt für Schritt, wie Gelegenheitsanwender ihre Fotos mit kostenlosen Programmen verorten und dann in Flickr und Google Earth präsentieren.

Geotagging ohne GPS-Hardware

Sie haben weder einen GPS-Kamera noch ein GPS-Handy und wollen sich auch keinen GPS-Tracker zulegen, möchten ihre Fotos aber trotzdem den Orten ihrer Entstehung zuordnen können? Kein Problem: Im Internet gibt es etliche kostenlose Programme, die ihnen dabei helfen, ihre Digitalbilder nachträglich mit GPS-Koordinaten zu versehen.

Die Software der Geotagging-Community Locr gibt es nicht nur für Handys, sondern auch für Windows-PCs. Diese Variante bietet etliche Vorteile gegenüber der Mobiltelefonversion, allen voran den, dass sie den Anwender nicht bei jedem Arbeitsgang nötigt, die gerade bearbeiteten Bilder auf das Locr-Portal zu laden.

Die nur wenige hundert Kilobyte kleine Software bietet verschiedene Möglichkeiten, GPS-Daten direkt in die Fotos zu schreiben. Die einfachste Variante ist es, eine GPS-Log-Datei und die zugehörigen Fotos zu importieren. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass man beim Fotografieren einen entsprechenden GPS-Empfänger benutzt hat. Ein ausgesprochen nützliches Detail: Sind die Uhren von Kamera und GPS-Empfänger nicht absolut synchron gelaufen, lässt sich ein Zeitversatz einstellen, so dass Positionsdaten und Bilder wieder zueinander passen.

GPS per Google Maps

Wohl eher der Vollständigkeit wegen gibt es auch die Möglichkeit, GPS-Koordinaten von Hand einzutippen. Das dürfte allerdings nur für militante Ziffernblockliebhaber in Frage kommen. Bedeutend einfacher ist es dagegen, das integrierte Google-Maps-Modul zu verwenden, um die Koordinaten des jeweiligen Orts herauszufinden. Dazu gibt man am besten in der Suchmaske den jeweiligen Ortsnamen und die Straße ein, sofern man beides zur Hand hat.

Hat man schon wieder vergessen, wie das kleine Dorf hieß, in dem man den Schnappschuss gemacht hat, muss man versuchen, sich mit der Maus und den Zoomfunktionen von Google Maps an den Ort des Geschehens heranzutasten. Hat man ihn gefunden, muss er möglichst exakt unter dem Mittelkreuz der Karten zu liegen gebracht werden. Ist das erledigt, lassen sich wahlweise Einzelbilder oder ganze Gruppen dieser Position zuordnen.

Ähnlich arbeitet auch der Geosetter. Mit einem feinen Unterschied freilich: Die Geo-Koordinaten legt man hier nicht fest, indem man den gewünschten Punkt in die Bildmitte rückt. Stattdessen klickt man einfach mit der Maus an die gewünschte Stelle, ein Fähnchen markiert den Punkt . Ist man mit der ersten Wahl nicht zufrieden, kann man so lange neue Fähnchen setzen, bis es passt, erst dann werden die GPS-Daten in das Bild geschrieben.

Geotagging-Software für Macs

Die oft vernachlässigte Mac-Fraktion muss sich mit einer etwas einfacheren Lösung behelfen. Zum einen gibt es verschiedene Grafikprogramme, wie etwa den Graphicconverter, mit deren Hilfe man die Daten manuell eingeben kann. Bedeutend einfacher geht es mit dem Winzprogramm Geotagger. Diese Software hat überhaupt keine Benutzeroberfläche. Stattdessen nutzt man Google Earth, um eine Position festzulegen. Die wird dann auf alle Bilder übertragen, die man auf das Geotagger-Symbol zieht.

Aber eigentlich braucht man gar keine Software, um seine Fotos mit GPS-Daten versehen zu können. Wozu gibt es das Internet? Das Mashup Blockrocker beispielsweise hilft dabei, Flickr-Fotos zu geotaggen. Dazu muss man ihm zunächst Zugriff auf das eigene Flickr-Konto gewähren. Von dort besorgt es sich dann die Bilder, die man sodann mithilfe eine Google-Maps-Karte bestimmten Orten zuordnen kann. Einziger Nachteil: Die Kartenansicht ist verhältnismäßig klein, bietet nur wenig Überblick.

Präsentieren: GPS-Fotos in Flickr

Mit Positionsdaten versehene Fotos kann man im Web auf Landkarten präsentieren – bei Google Maps zum Beispiel, oder in 3D auf dem Heimrechner in Google Earth. Die dafür nötigen KML-Dateien erzeugt das kostenlose PC-Programm GPicSync – der Entwickler François Schnell zeigt auf seinen Seiten schöne Beispiel-Fotosets für Google Maps und Google Earth und gibt ausführliche Anleitungen. Vergleichbare Web-Galerien legt auch die – 25 Dollar teure – Software Jetphoto (für PC und Mac verfügbar) an.

Noch etwas einfacher geht das – kostenlos! – bei Flickr: Der Online-Fotodienst erkennt automatisch GPS-Positionsdaten in hochgeladenen Bilddateien und zeigt die Fotos auf Landkarten an. Allerdings muss man diese automatische Ortung erst aktivieren (über diesen etwas versteckten Link) – standardmäßig hat Flickr die Positionsbestimmung nämlich vorbildlich zwecks Datenschutz deaktiviert, damit nicht ahnungslose GPS-Nutzer ihren Wohnort im Netz veröffentlichen.

Seine verorteten Flickr-Fotos kann man mit Hilfe eines Bookmarklets der Hamburger Programmierer von Sumaato Labs mit dem Dienst Loc.alize.us und Google Maps verknüpfen – schick!


Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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