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Olympus Pen E-P1: Foto-Zwerg knipst ohne Spiegel (Spiegel Online, 3.7.2009)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
12 minuten gelesen

Olympus Pen E-P1

Foto-Zwerg knipst ohne Spiegel

So klein war noch keine Kamera mit Wechselobjektiv: Die Kompaktkamera E-P1 kann fast so viel wie eine Spiegelreflex, liefert dank großem Sensor bessere Bildqualität als eine Kompaktknipse und passt in jede Handtasche. SPIEGEL ONLINE hat den Foto-Zwerg getestet.

Spiegel Online, 3.7.2009

Warum baut erst jetzt jemand so eine Kamera? Seit Jahren verlangen Fotografen – zumindest die lautstarken Kommentatoren in Foto-Foren – nach einer kompakten Kamera mit großem Bildsensor und wechselbaren Objektiven. Der Vorteil dieses ersehnten Werkzeugs: Je größer der Bildsensor, desto höher die mögliche Bildqualität. Je größer die Auswahl bei Objektiven, umso mehr Gestaltungsfreiheit hat der Fotograf. Und vor allem: Wenn all das in ein kompaktes Gerät passt, hat man eine Kamera immer dabei, die fast so viel kann wie eine Spiegelreflex, aber keine Rückenschmerzen verursacht.

Technisch wäre es schon lange möglich (wenn auch anspruchsvoll) gewesen, so eine Kamera zu bauen. Exotenkameras wie die Sigma DP1 (diese allerdings nur mit fest verbauter Festbrennweite) demonstrieren das. Nun hat der Hersteller Olympus die erste Kamera veröffentlicht, die all die Träume rückengeschädigter Fotografen ohne Assistenten zum Schleppen erfüllen soll: E-P1 heißt sie, sieht aus wie eine große Kompaktknipse und macht dem Marketing Probleme, der Werbeslogan erklärt mit zwei Verneinungen, was das eigentlich für ein Gerät ist: “Not a compact. Not an SLR. It’s a PEN.”

Gewicht, Größe, Technik – kleines Gehäuse, leichte Objektive

Auf den ersten Blick sieht die E-P1 wie eine etwas größere Kompaktkamera. Die Olympus ist nicht so zierlich wie die Panasonic LX3: Vielleicht etwas für die Jacken-, ganz sicher nichts für die Hosentasche. Aber im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera oder auch einer Micro Four Thirds wie der Lumix G1 wirkt die E-P1 angenehmen leicht und klein. Mit der Olympus in der Hand läuft man ein, zwei Stunden durch die Stadt, ohne dass sie stört.

Natürlich kommt es auf ein paar Gramm Gewicht nicht an. Aber man schleppt unterwegs ja nicht nur das Kameragehäuse, sondern auch Objektive mit. Und da zeigt sich sehr deutlich der Vorteil des Kamerasystems Micro Four Thirds, nach dem die E-P1 gebaut ist: Die Objektive sind kleiner und leichter als vergleichbare Spiegelreflexobjektive. Die E-P1 wiegt mit einem Dreifach-Zoom-Objektiv (kleinbild-äquivalente Brennweite 28 bis 84 mm) ein halbes Kilo und ist mit eingefahrenem Zoom 8,5 cm tief.

Eine Spiegelreflex wie die Nikon D40 wiegt mit vergleichbarer Brennweite (Tamron 28-75 mm F/2,8) ein gutes Kilo und ist mit eingefahrenem Objektiv doppelt so tief. Wer mit der E-P1 zu Fuß unterwegs ist, kann ohne Mühe neben dem Standardzoom vielleicht auch noch ein Weitwinkelobjektiv zum Wechseln mitnehmen – ein erheblicher Vorteil, zumindest für Menschen mit Rückenschmerzen. Was nützt einem ein wunderbares Weitwinkelobjektiv, wenn man es bei langen Wegen morgens doch nicht einpackt?

Dank zwei Tricks sind Gehäuse und Objektive bei Micro Four Thirds kleiner und leichter als bei Spiegelreflexkameras: Die Hersteller verzichten auf den Spiegel, der Spiegelreflexkameras den Namen gibt und das durchs Objektiv einfallende Licht zum Sucherbild bündelt und in den Sucher wirft.

Bei Micro-Four-Thirds-Kameras sieht man das digital aufbereitete Bild des Fotosensors. Außerdem ist der Four-Thirds-Fotosensor von Kameras wie der E-P1 kleiner (2,24 Quadratzentimeter) als die Sensoren im APS-C-Format (3,28 Quadratzentimeter etwa bei der Canon EOS 350D), die in digitalen Spiegelreflexkameras verbaut werden (siehe Kasten unten).

Die E-P1 ist also technisch ein Kompromiss zwischen Kompakt- und Spiegelreflexkameras.

Bedienung – Retro-Design, logische Handhabung

Bei der Gestaltung der E-P1 hat sich jemand große Mühe gegeben: Die Kamera sieht toll aus (zumindest, wenn man Retro-Design mag) und lässt sich intuitiv bedienen. Im Automatik-Modus ohnehin. Aber auch, wenn man einige Details manuell einstellen will, funktioniert das ziemlich schnell. Olympus ordnet auf der Rück- und Oberseite insgesamt zwölf Bedienelemente an. Die meisten kennt man: Ein Vier-Wege-Klick- und Wahlrad mit Okay-Taste in der Mitte, mit dem man sich bei Aufnahmen sehr schnell durch auf dem Display eingeblendete Menüs klickt.

Wer Verschlusszeiten und Blendweite manuell einstellt, erledigt das dank zwei Wählrädchen sehr schnell und präzise mit einer Hand. Einziges Manko: Das Moduswählrad an der Oberseite ist etwas schwammig, schwerfällig und zu tief im Gerät eingelassen.

Wie durchdacht die Bedienung der E-P1 ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Die Kamera filmt in HD-Qualität, was zum Beispiel Nikon bei seiner Einsteiger-Spiegelreflex D90 als revolutionäre Eigenschaft bewirbt. Wie man filmt, versteht aber kein Nikon-Käufer ohne Blick in die Bedienungsanleitung: Erst Display einschalten, dann statt des Auslösers die Okay-Taste drücken. Bei der Olympus E-P1 dreht man das Modusrädchen aufs Filmsymbol und drückt den Auslöser.

Ähnlich logisch ist die Bedienung der meisten anderen Funktionen. Und für alle anderen Fälle liegt der Kamera ein gutes, gedrucktes und umfassendes (162 Seiten) Handbuch bei.

Ausstattung

Die E-P1 hat viele Ausstattungsdetails, die man nicht einmal bei allen Einsteiger-Spiegelreflexkameras findet. Eine Sensorreinigung zum Beispiel, die mit Ultraschallvibrationen Staubpartikel vom Bildsensor entfernen soll, die beim Objektivwechsel ins Innere der Kamera gelangen können. Oder den im Gehäuse integrierten Bildstabilisator.

Bei anderen Details merkt man der E-P1 an, dass sie ein Kompromissgerät ist, beim Autofokus zum Beispiel. Die E-P1 nutzt einen sogenannten Kontrast-Autofokus, ein anderes Verfahren als der in vielen Spiegelreflexkameras verwendete Phasenvergleich. Bei unserem Testgerät fokussierte die E-P1 bei Tageslicht und in einigermaßen beleuchteten Innenräumen schnell und zuverlässig, doch sobald das Licht etwas schlechter wurde, brauchte der Autofokus der E-P1 vergleichweise lang, um das Motiv scharfzustellen und konnte sich bisweilen nicht richtig entscheiden.

Bei schlechtem Licht besser manuell fokussieren

Der manuelle Fokus funktioniert als Ersatz in solchen Fällen erstaunlich gut, obwohl die E-P1 ja keinen Sucher hat. Sobald man auf manuellen Fokus umschaltet (eine Sondertaste dafür wäre toll, aber das lässt sich bei der extrem individualisierbaren E-P1 ja selbst einstellen) und am Fokusrad des Objektivs dreht, vergrößert die Kamera das Liveview-Bild so, dass man die Schärfe beurteilen kann. Bei High-Speed- und Nachtaufnahmen wird der Autofokus der E-P1 wohl nicht genügen – in den meisten anderen Situationen dürfte das System aber völlig ausreichen.

Anders als bei vielen Kompaktkameras ist eine Auslöseverzögerung nicht zu spüren – sie dürfte entsprechend gering sein.

Die E-P1 nimmt auf Wunsch automatische Belichtungsreihen für HDR-Fotos auf, kann Bilder auch in einem Olympus-eigenen Rohdatenformat aufnehmen. Verarbeiten kann man diese Bilder derzeit nur mit der vom Hersteller kostenlos mitgelieferten Software (Mac und PC) Olympus Master 2, die leider arg aufgebläht ist und versucht, statt einfach RAW-Dateien zu konvertieren, auch noch Bildverwaltung und Web-Anbindung zu erledigen. Das ist ärgerlich. Aber in einigen Wochen oder Monaten dürften auch die brauchbaren Bildbearbeitungs- und Verwaltungsprogramme von Apple und Adobe das RAW-Format der E-P1 unterstützen.

Durchschnittsdisplay ersetzt den Sucher kaum

Dass der E-P1 ein integrierter Blitz fehlt, werden einige bemängeln. Andererseits: Wenn es darum geht, Platz zu sparen, ist der ja ohnehin immer lächerlich leistungsschwache Blitz wohl noch das am ehesten verzichtbare Ausstattungsdetail. Dafür hat die E-P1 ja einen Blitzschuh, um bei Bedarf nachzurüsten.

Dass der E-P1 der optische Sucher fehlt, liegt bei einer Kamera ohne Spiegel-Apparat in der Natur der Sache – wer das Gehäuse schrumpft, muss ja etwas weglassen. Ärgerlich ist da allerdings die Qualität des in der E-P1 verbauten Drei-Zoll-Displays: Bei Sonnenlicht erkennt man darauf oft nichts, bei indirektem Licht aber leider auch zu wenig: 230.000 Bildpunkte sind eine wirklich grobe Auflösung – das Drei-Zoll-Display in Nikons Spiegelreflex D90 zeigt zum Beispiel 920.000 Bildpunkte.

Video-Funktion

Dass eine Fotokamera HD-Filme dreht, ist nicht mehr allzu überraschend. Allerdings funktioniert bei der E-P1 der Autofokus auch, wenn man bei Videoaufnahmen zoomt. Das schafft Nikons D90 nicht und die um ein Vielfaches teurere Canon 5D Mark II ebenso wenig.

Die Belichtung passt die Automatik bei Schwenks recht gut veränderten Lichtbedingungen an, das Mikrofon nimmt ordentlichen Stereosound auf – allerdings ist es so empfindlich, dass bei Außenaufnahmen auch viele Windgeräusche auf den Aufnahmen landen. Außerdem zeichnet die E-P1 auch sämtliche Zoom- und Fokussiergeräusche der Kamera auf, weil deren Metallgehäuse als Klangkörper allzu gut funktioniert. Dass die E-P1 keinen Eingang für ein externes Mikro hat, ist angesichts dieser Probleme ein Manko.

Die HD-Qualität ist beeindruckend, allerdings stellten wir bei manchen Bewegungen im Video (siehe Video, zum Beispiel beim vorbeifahrenden ICE) merkwürdige Effekte fest, die ein wenig nach Frame-Verlusten aussehen. Diese Auffälligkeiten zerstören die Clips nicht, sie fallen nur manchmal auf, und das nicht einmal störend. Der Videomodus ist für Gelegenheits-Clips brauchbar, die Qualität dafür mehr als ausreichend, die Bedienung einfacher als bei D90 oder Canon 5D Mark II. Maximale Aufnahmendauer: sieben Minuten HD.

Bildqualität und Fazit

Wer aus der Hand bei schlechten Lichtverhältnissen verwacklungsfreie Fotos schießen will, braucht eine Kamera, die bei höheren ISO-Werten (je höher der Wert, desto lichtempfindlicher und anfälliger für Bildstörungen wird der Bildsensor) störungsarme Fotos liefert. Je größer der Sensor, desto besser sind hier in der Regel die Ergebnisse.

Und in der Tat: Bei Nachtaufnahmen liefert die E-P1 bessere Aufnahmen als Kompaktkameras – wenn man sich allerdings mit einer ISO-Empfindlichkeit von 800 gemachte Aufnahmen in Originalgröße anschaut, fällt in einigen Bildbereichen ein sichtbares Bildrauschen auf (im Rohdatenformat aufgenommen und mit der Olympus-Software entwickelt). Das ist bei Bildsensoren im APS-C-Format besser, allerdings muss man sich über diese Unterschiede als Hobby-Fotograf kaum den Kopf zerbrechen, wenn man sich nicht gerade auf Feuerwerksfotos spezialisiert hat und regelmäßig A3-Prints der schönsten Aufnahmen an die Wand hängt.

Bildfehler wie chromatische Abberationen traten bei den Testfotos (Kit-Objektiv M.ZUIKO DIGITAL ED 14-42mm 1:3.5-5.6)  gar nicht auf, der Dynamikbereich ist hoch, feine Details und Strukturen werden sauber wiedergegeben. Da die Rohdaten der E-P1 sich bislang nur mit Olympus-Software verarbeiten lassen, könnte hier noch mehr möglich sein.

Nach ein paar Tagen mit der E-P1 ist das subjektive Fazit: Will ich haben! Das Fotografieren macht mit dieser Kamera Spaß, man will sie immer mitnehmen, ausprobieren und noch ein paar Objektive einpacken. Das liegt daran, dass Olympus eine tolle Idee mit der E-P1 gut umgesetzt hat: Die Kamera ist angenehm klein, die Bedienung stört nicht, die Kompromisse bei Autofokus-Geschwindigkeit, Sucher und Sensorgröße fallen nicht allzu negativ ins Gewicht.

Objektiv kann man die E-P1 sicher nicht jedem Fotografen empfehlen: Wer oft bei schlechten Lichtbedingungen fotografiert oder sich auf extrem schnelle Motive spezialisiert hat, wird an der E-P1 wohl keine Freude haben. Wer in der Freizeit fotografiert, eine tragbare Kamera sucht, mit Objektiven und manuellen Einstellungen experimentiert, sollte die E-P1 ausprobieren. Losrennen und einkaufen sollte man aber nicht unbedingt sofort. Es gibt bislang sechs Micro-Four-Thirds-Objektive – wie die und wie die anderen Four-Thirds-Objektive mit Adapter an der E-P1 arbeiten, werden Tests in den kommenden Monaten zeigen.

Wer nicht vor dem Problem steht, mit der E-P1 alle Brennweiten noch einmal für ein anderes System anschaffen zu müssen, hat es einfacher – anspruchsvolle Kompaktknipsen wie die Canon G10 (siehe Fotostrecke oben) ersetzt die E-P1 locker.

Datenblatt

Digitalkamera: Die Olympus E-P1 im Überblick
günstigster Preis im Online-Handel* 769
Maße, Gewicht (ohne / mit Objektiv) 12 x 7 x 3,5 cm335 Gramm / 485 Gramm
Auflösung 4032 x 3024 px
Sensorgröße (4/3″) 2,24 cm²
Dateiformat JPG, RAW
Verschlusszeiten 1/4000 – 60 s (bis zu 30 Minuten)
Speicherkarten SD
* (laut geizhals.at, Stand 2.7.2009, Paket mit Objektiv M.Zuiko 14-42 mm

Fototechnik – Die Fachbegriffe kurz erklärt

FOTOTECHNIK: DIE FACHBEGRIFFE KURZ ERKLÄRT
Brennweite
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.
Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.
Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).
Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw., siehe SPIEGEL WISSEN).
Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketball-Spiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit
Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Größe der Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.

Verschluss-/Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.
Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5″; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet. Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.
Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.

Schärfentiefe
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint – je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.
Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat, beziehungsweise der Sensorgröße.

Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors (siehe Bayer-Sensor bei SPIEGEL WISSEN)einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/3,2 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.
Einige Beispiele für Sensorgrößen:
+ digitale Kompaktkamera Nikon Coolpix S60 (1/2.3″): 0,28 cm²
+ digitale Bridge-Kamera Canon G10 (1/1,7″): 0,43 cm²
+ digitale Four-Thirds- Kamera Lumix G1 (4/3″) 2,24 cm²
+ digitale Spiegelreflex-Kamera Canon EOS 350D 3,28 cm²
+ Kleinbild: 8,64 cm² – Mittelformat: 17,28 cm²
Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.

Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.
Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann, und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.
Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.

Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos – je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.
Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20×30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.
Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.

Bildrauschen
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom (mehr bei SPIEGEL WISSEN) . Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab: – Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.
+ Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird – einschließlich der Störungen.
+ Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen. Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen.
Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.


Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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