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Online-Handel: Die besten eBay-Alternativen (Spiegel Online, 7.2.2008)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
5 minuten gelesen

Online-Handel

Die besten eBay-Alternativen

EBay dominiert den deutschen Markt für Online-Auktionen – aber wer neue Digitalkameras und Macbooks oder Gebraucht-DVDs und Bestseller kaufen will, kann anderswo echte Schnäppchen machen. SPIEGEL ONLINE vergleicht Preise und Verkaufsgebühren.

Spiegel Online, 7.2.2008

Die eBay-Händler machen sich in den Foren des Online-Auktionsportals gegenseitig Mut: Das Unternehmen könne doch gar nicht gegen sie handeln und neue Regeln und Gebühren durchdrücken. Den Boykott-Aufruf von US-eBay-Händlern für die Woche vom 18. bis zum 25 Februar kommentieren deutsche Händler zustimmend: "schon nicht schlecht!" Aber der Sieben-Tage-Boykott genügt manchem deutschen eBay-Kunden nicht. EBay-Händlerin "souvenir99" schreibt im Forum: "Noch besser wäre es, als Verkäufer zu einer anderen Plattform abzuwandern. Wenn hier keine Verkäufer mehr sind, werden die Käufer schon folgen." Aber geht das so einfach – kann man als Schnäppchenjäger auf eBay verzichten, als Privatverkäufer anderswo im Web verkaufen?

SPIEGEL ONLINE hat eBay-Alternativen ausprobiert, Angebot für Elektronik, Bücher und DVDs durchgerechnet und die wichtigsten Tipps für Käufer und Händler zusammengestellt.

Elektronik gibt es neu anderswo günstiger

Für einen Preisvergleich eignet sich Apples Macbook gut: An der Hardware können die Händler nur relativ wenig verändern, die Software-Ausstattung ist standardisiert – und die Preise unterscheiden sich dennoch: Für ein neues Macbook (13,3 Zoll, 2 GHz Core 2 Duo, 1 GB RAM, 80 GB HDD, Combo-Drive) zahlt man bei Online-Händlern zwischen 979 und 1041 Euro (Apple Store). Das günstigste Neugerät mit Händlergarantie kostet zum Sofort-Kauf-Preis bei eBay 999 Euro – 20 Euro mehr als beim billigsten Online-Händler, den die Preisvergleichseite Geizhals.at derzeit aufführt. Wobei zu beachten ist: Der billigste ist nicht immer der beste – und so mancher Käufer, der einem dubiosen Onlineshop vorab Geld überwies, wartet noch heute auf das bestellte Produkt. Shop-Bewertungen zu beachten, kann sich da auszahlen.

Ein für eBay vergleichbar unschmeichelhaftes Ergebnis bringt der Preisvergleich jedenfalls bei einer aktuellen Digitalkamera: Die Panasonic Lumix DMC-FZ18 kostet neu vom Händler bei eBay fast 36 Euro mehr als beim günstigsten Online-Händler im Geizhals.at-Verzeichnis ( vgl. Tabelle mit Beispielrechnungen).

Ergebnis der Stichproben: Wer Elektronik neu kaufen will, sollte vor dem eBay-Einkauf, aber auch vor einer wilden Bieterschlacht unbedingt die aktuellen Preise im Online-Handel über ein Portal wie Geizhals.at, Preissuchmaschine.de, Dooyoo.de oder einem der zahlreichen vergleichbaren Web-Angebote prüfen – denn manchmal unterbietet ein Online-Händler die eBay-Schnäppchen noch einmal.

Neuware nur wenig teurer als Gebrauchtgeräte

Wer das Risiko eingeht, Gebrauchtgeräte zu kaufen, kann bei Versteigerungen gebrauchter Elektronik auf eBay durchaus Schnäppchen machen. Allerdings sollte man hier sorgsam abwägen, ob die Ware tatsächlich den Preis wert ist. Beispiel: Ein gebrauchtes Macbook mit derselben Hardware-Ausstattung wie das neue 979-Euro-Schnäppchen beim Online-Händler kostet bei eBay als Second-Hand-Ware zum Sofortkauf 815 Euro. Nun muss jeder Käufer selbst ausrechnen, ob 164 Euro Ersparnis diese Nachteile aufwiegen:

das Gebrauchtgerät – und dessen Akku – war ein Jahr lang im Einsatz
bei Neugeräten ist das Betriebssystem Leopard vorinstalliert, bei Gebrauchtgeräten derzeit noch oft die vorige Version Tiger
Vergleicht man das Angebot und die Gebrauchtpreise bei einem populären Artikel wie dem Macbook zwischen den verschiedenen deutschen Online-Auktionsplattformen, wird der Nachteil von eBay-Konkurrenten wie Hood (nennt sich stolz "zweitgrößtes deutsches Auktionshaus") schnell klar: Das Angebot ist gering – wir fanden ein vergleichbares Macbook in den Hood Auktionen, es kostet im Sofortkauf 910 Euro, also fast 100 Euro mehr als bei eBay.

Und, ein wichtiges Detail für Verkäufer: Hood.de gibt an, wie oft ein Artikel aufgerufen wurde. Bei dem Macbook war die Angebotsseite in den ersten 48 von 72 Angebotsstunden nur zwölfmal aufgerufen worden. Dafür sind Angebote bei Hood.de ebenso wie bei Atrada kostenfrei, diese Anbieter wollen sich über die Werbung auf ihren Seiten finanzieren. Bei eBay muss man für einen Festpreisverkauf zu 100 Euro satte 7,69 Euro Gebühren bezahlen ( vgl. Tabelle mit Beispiel-Gebührenrechnungen).

Hier muss jeder Händler selbst entscheiden, wie lange er seine Elektronikartikel ohne Verkauf anbieten kann und will – bei den Nutzerzahlen von eBay dürfte ein Verkauf dort sicher schneller zustande kommen.

Gute eBay-Alternativen für Bücher und Selbstgemachtes

In manchen Nischen schlägt die Konkurrenz das eBay-Angebot sowohl für Händler als auch für Käufer. Bei Gebraucht-Büchern etwa. Ein Beispiel: Der Verkauf eines recht seltenen und einigermaßen wertvollen Bildbandes ("Die Skulptur der Renaissance in Italien, Bd. 1"). Der Verkaufsversuch bei eBay scheiterte – niemand wollte das Buch zum Festpreis von 80 Euro haben.

Bei Amazon stand das Buch fünf Wochen lang im Angebot, eine Einstellgebühr fiel dafür nicht an. Dann kaufte tatsächlich ein Antiquar den Band für 98 Euro – Amazon behielt davon satte 16,70 Euro als Verkaufgebühr. Angenehm für Käufer und Verkäufer: Amazon wickelt die Bezahlung über seine Konten ab. Ärgerlich für den Verkäufer: Amazon erhebt bei Büchern standardmäßig eine Versandpauschale von drei Euro – zu dem Preis kann man einen Bildband nicht versenden, zahlt also drauf.

Hochwertige Bücher gehen bei Amazon gut weg

Das Beispiel zeigt: Amazon lohnt sich für Verkäufer bei besonderen, hochwertigen Büchern. Denn die Gebühr fällt nur beim erfolgreichen Verkauf an, und Amazon erreicht zudem auch spezielle Käufergruppen. Das dürfte auch für das Portal Book-Looker (Bücher, Filme, Musik) gelten: Ähnlich wie Amazon erhebt diese Seite Gebühren nur bei erfolgreichen Verkäufen – und schlägt bei der Höhe sowohl Amazon als auch eBay ( vgl. Tabelle mit Beispiel-Gebührenrechnungen).

Je länger ein Buch oder eine DVD angeboten werden, desto günstiger sind Amazon und Book-Looker im Vergleich zu eBay – schließlich zahlt man hier keine Einstellgebühr, sprich Miete für Angebotsplatz. Bei Büchern und DVDs bietet Amazon seinen Verkäufern auch potentielle Kundschaft, denn jeder Artikel wird auf der entsprechenden Amazon-Seite des neuen Artikels verlinkt – sind die Marketplace-Artikel günstiger, wirbt Amazon mit diesem Preis, macht also seinem eigenen Angebot an Neuware Konkurrenz.

Die Konsequenz für Käufer: Bei Büchern und DVDs sind eBay-Schnäppchen nicht unschlagbar. Händler verkaufen Gebrauchtware anderswo zum Teil günstiger. So zahlt man für die jüngste DVD-Box mit Sopranos-Folgen bei Amazon-Händlern weniger als bei eBay-Auktionen ( vgl. Tabelle mit Beispiel-Angeboten). Auch der Bestseller "Die Kathedrale des Meeres" ist derzeit im Sofortkauf gebraucht am günstigsten bei eBay-Alternativen zu haben. Eine gute Preisübersicht liefert hier die Seite Findmybook.de, eine Preisvergleichs-Angebot für Gebrauchtbuch-Leser.

Und wer schöne, handgefertigte und ein wenig ausgefallene Geschenke sucht, wird ohnehin spezialisierte Verkaufplattformen dem eBay-Allerlei bevorzugen. Die deutsche Seite Dawanda zum Beispiel hat sich wie das US-Vorbild Etsy auf handgefertigte Unikate und limitierte Editionen schicker kleiner Dinge spezialisiert.

Tabelle: Die günstigsten Online-Händler

Tabelle: Modellrechnungen für Verkaufsgebühren

Tabelle: So setzten die Gebühren sich im Detail zusammen

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Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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