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Schritt für Schritt: So schotten Sie Ihr Facebook-Profil ab (Spiegel Online, 17.12,2009)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
5 minuten gelesen

Schritt für Schritt

So schotten Sie Ihr Facebook-Profil ab

Suchmaschinen dürfen jedes Profil scannen, Anwendungen von Drittanbietern persönliche Details abgreifen – die Standardeinstellungen bei Facebook präsentieren die Mitgliederinformationen sehr freizügig. SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Mitglieder die Kontrolle über ihre Daten behalten.

Spiegel Online, 17.12,2009

Facebook-Boss Marc Zuckerberg ist nicht nur ein Fan von Nicolas Sarkozy und Barack Obama, sondern begeistert sich auch für Firefox, iTunes und Apple-Angebote für Studenten – nicht gerade peinlich, aber auch kein Grund zur Freude für Facebook-Anteilseigner Microsoft. Denn jeder Facebook-Nutzer kann diese Information seit einigen Tagen auf Zuckerbergs Facebook-Profil nachlesen.

Schuld daran ist eine Änderung bei den Facebook-Datenschutzeinstellungen. Einige der Nutzerdaten behandelt Facebook nun als “öffentlich zugängliche Informationen”. Das bedeutet: Man kann Anwendungen von Drittanbietern, Facebook-Mitgliedern und Websites, auf denen man sich mit dem Facebook-Login anmeldet, nicht untersagen, diese Informationen zu verwenden. Konkret sind das Name, Profilbild, Geschlecht, Wohnort, die Liste der eigenen Facebook-Kontakte, Zugehörigkeit zu Netzwerken und Fan-Seiten.

Freunde, Kollegen, Suchmaschinen und Drittanbieter – SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Nutzer ihre Daten bei Facebook kontrollieren.

Was verrät man überhaupt?

Natürlich funktioniert ein soziales Netzwerk wie Facebook am besten, wenn man eine gewisse Chance hat, seine Freunde und Kollegen zu finden und wiederzuerkennen. Wer gar nichts von sich preisgibt, kann sein Profil auch löschen. Aber angesichts der neuen Datenschutzregeln bei Facebook ist es wichtiger denn je, genau einzuschätzen, wie viel man in der Facebook-Datenbank über sich speichern will.

Will man zum Beispiel, dass jeder das Profilbild sehen kann, auf dem man Mickey Mouse umarmt? Oder: Will man, dass jedes Facebook-Mitglied (und nicht nur Freunde oder Freunde von Freunden) sehen, welche Angebote man zu seinen Lieblingsseiten hinzugefügt hat wie auf Mark Zuckerbergs Seite?

Weil man die Zugriffe auf diese Informationen bei Facebook nicht einschränken kann, sollte man sich gut überlegen, welche man überhaupt preisgibt. Wie Facebook-Sprecher Barry Schnitt Techcrunch sagte: “Man muss kein Profilfoto veröffentlichen oder man kann eines seines Hundes nehmen. Man muss nicht sagen, in welcher Stadt man wohnt, man kann aber auch Atlantis oder Walhalla angeben.”

Ob man seinen “Beziehungsstatus”, wie das in Facebook-Sprech heißt, unbedingt angeben muss, wird jeder für sich entscheiden. Ein wichtiges Detail dabei: Obwohl man in den Einstellungen der Privatsphäre angeben kann, dass nur man selbst diese Details sehen kann, wird doch jede Veränderung automatisch im Profil angezeigt. Die Freunde sehen also, wenn man seinen “Beziehungsstatus” ändert, diese Benachrichtigung lässt sich derzeit nicht abschalten. Die sich aus solchen Aktualisierungen entspinnenden Debatten sind manchmal lustig. Dass sie sich entspinnen, sollte man aber vorher wissen und bedenken.

Wenn Sie bei Facebook eingeloggt sind, können Sie sich mit einem Klick auf diesen Link anzeigen lassen, welche Informationen auf ihrem öffentlichen Facebook-Eintrag zu sehen sind. Diese Seite können alle Facebook-Mitglieder sehen, auch wenn sie gar nicht in Kontakt zu Ihnen stehen. Unter Umständen sieht so auch das Suchergebnis zu Ihrem Namen aus, dass die Nutzer von Bing, Google und anderen Suchmaschinen erhalten.

Freundes- und Kollegenlisten pflegen

Das Durchschnittsalter bei Facebook steigt merklich und heute wird jeder Mensch mit Facebook-Profil in seinem Kontaktnetzwerk Freunde, Verwandte, entfernte Bekannte, Arbeitskollegen und gar Chefs haben. Wer bei einem so verzweigten Netzwerk Partyfotos, Kommentare über den Urlaubsort, den Kaffee im Büro oder die Erkältung einstellt, will sicher nicht, dass alle alles lesen.

Man kann bei jedem Foto und Kommentar bei Facebook neu entscheiden, wer das sehen darf. Das funktioniert aber nur, wenn man seine Facebook-Kontakte regelmäßig in Gruppen sortiert ( auf dieser Seite)

Den meisten Menschen werden wohl drei Gruppen wie Freunde, Job, Kollegen genügen. Da lässt sich bei jedem Foto und Kommentar ganz gut einschätzen, ob das nur Freunde, oder auch Mitarbeiter etwas angeht.

Anzeige von Profil- und Kontaktdaten anpassen

Unabhängig von einzelnen Beträgen kann man für Listen auch allgemein einstellen, wer welche Details des eigenen Profils zu Gesicht bekommt, wer kommentieren kann und so weiter. Die gesamten Einstellungen zur Privatsphäre bei Facebook bauen auf den Gruppen auf – die sollten also gut gepflegt sein.

Man kann Facebook-Kontakte auch mehreren Gruppen hinzufügen, wobei dann die restriktiveren Regeln greifen. Wer welche Profilinformationen sieht, kann man auf dieser, wer welche Kontaktinformationen erhält, hier einstellen. Man kann bestimmte Details auch für einzelne Kontakte ausblenden – unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit.

Die Standardeinstellungen zum Datenschutz von Facebook sollte man kritisch prüfen und nicht einfach akzeptieren.

Liste aller Freunde verstecken

In den neuen Standardeinstellungen ist Facebook sehr freizügig beim Anzeigen einiger Details: Wer die Voreinstellungen nicht ändert, zeigt zum Beispiel allen Facebook-Mitgliedern seine gesamte Kontaktliste. Nun will man nicht unbedingt, dass alle Welt sieht, wen man kennt. Hier sind die Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Privatsphäre bei Facebook inzwischen leider arg eingeschränkt: Der Anbieter hat die Kontaktliste zu öffentlich verfügbaren Informationen erklärt, weshalb es für Mitglieder keine Möglichkeit mehr gibt, Drittanwendungen den Zugriff darauf zu verbieten.

Allerdings kann man es Fremden erheblich erschweren, die eigene Kontaktliste zu scannen. Man muss dazu auf der eigenen Profilseite auf das Stiftsymbol rechts oben in der Kontaktbox klicken. In dem Menü “Feld bearbeiten” muss das Häkchen neben der Option “Allen die Freundesliste anzeigen” verschwinden. Ist diese laxe Standard-Option ausgeschaltet, sehen nur noch die eigenen Kontakte, mit wem man bei Facebook verbunden ist, Suchmaschinen und anderen Facebook-Nutzern werden diese Informationen nicht mehr angezeigt. Drittanwendungen können dennoch auf diese Informationen zurückgreifen.

Persönliche Daten für Drittanbieter sperren

Eine ärgerliche Standardeinstellung bei Facebook erlaubt es Programmen von Drittanbietern, auf persönliche Daten zuzugreifen, auch wenn man diese Erweiterung gar nicht installiert hat. Es genügt, wenn ein Facebook-Kontakt eine Erweiterung installiert. Facebook gibt dieses Beispiel: “Eine Grußkarten-Anwendung kann zum Beispiel dein Geburtsdatum verwenden, um deinen Freund dazu aufzufordern dir eine Geburtstagskarte zu schicken.”

Diese Anwendungen – die man im Zweifelsfall nicht kennt und nie zu Gesicht bekommen hat – können aber auch diese Daten abgreifen: Familie und Beziehung, Ausbildung und Beruf, religiösen und politische Ansichten, Fotos der Mitglieder.

Man kann all diese Standardzustimmungen automatisch komplett widerrufen – auf dieser Seite.

Suchmschinen vom Profil aussperren

Wer einen Namen googelt, findet schnell das Facebook-Profil der Zielperson. Und wer nicht googelt, sucht direkt bei Facebook. Dass man in beiden Fällen fündig wird, ermöglichen Facebooks offenherzige Standardeinstellungen zur Privatsphäre bei Suchergebnissen. Das kann man auf dieser Seite unterbinden.

Kommentare Dritter kontrollieren

Die Freunde loben auf der Facebook-Profilseite Ihre Trinkfestigkeit und der Chef liest mit? Kann man machen, muss nicht sein: Man kann auf der eigenen Profilseite einerseits sehr restriktiv sein und verbieten, dass Freunde überhaupt auf der eigenen Profilseite kommentieren oder Schreiben. Dazu muss man bei Facebook angemeldet sein, das eigene Profil aufrufen, dann unter dem großen Pinnwandbalken rechts auf der Seite auf Optionen klicken, dann erneut auf Einstellungen (warum auch immer).

Bei den nun verfügbaren Optionen lässt sich radikal jede Kommunikation auf der eigenen Profilseite unterbinden, in dem man das Häkchen neben “Freunde können an meine Pinnwand schreiben” entfernt. Man kann auch etwas subtiler vorgehen und einer bestimmten Liste der eigenen Kontakte die Kommentare vorenthalten. Dazu klickt man auf die Auswahlbox zu “Wer kann die Beiträge meiner Freunde sehen” und wählt unter “Benutzerdefiniert” nun die Listen mit den Freunden aus und lässt Arbeitskollegen oder Chefs außen vor.

Mit Fotos ist das etwas schwieriger: Die eigenen Freunde können Fotos hochladen und mit dem Profil jedes Kontaktes verknüpfen. Man kann diese Markierungen durch dritte nicht unterbinden, man kann auch nicht eine Vorabgenehmigung zum Markiert-Werden erzwingen. Man kann sich aber zumindest von Facebook darüber benachrichtigen lassen, dass man irgendwo markiert wurde (auf dieser Seite).

Auch Anwendungen von Drittanbietern kann man in einem unbedachten Moment oder gar bei vollem Bewusstsein das Absetzen von Nachrichten auf der eigenen Profilseite erlaubt haben. Was man welchen Erweiterungen von Drittanbietern erlaubt hat, welche überhaupt für das eigene Profil aktiviert sind, kann und sollte man regelmäßig auf dieser Seite prüfen.

Sie wissen mehr? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, geben Sie Tipps!

Welche Tipps haben Sie fürs Datenmanagement bei Facebook? Wie schützen Sie Ihre Privatsphäre in sozialen Netzwerken? Teilen Sie Ihre Erfahrungen im Forum hier auf SPIEGEL ONLINE oder auf der Facebook-Seite von “So geht das!”.


Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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