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Das taugt das Kanada-Tablet

Konrad Lischka
Konrad Lischka
6 minuten gelesen
Das taugt das Kanada-Tablet

Leicht, kompakt und schnell – der kanadisch-japanische Kobo-Konzern bringt sein Sieben-Zoll-Tablet Arc zu Kampfpreisen auf den Markt und ärgert damit die Konkurrenten Google und Amazon. Was die Kanadier besser machen, verrät der Test.

Spiegel Online, 23.1.2013

Leicht, kompakt und schnell – der kanadisch-japanische Kobo-Konzern bringt sein Sieben-Zoll-Tablet Arc zu Kampfpreisen auf den Markt und ärgert damit die Konkurrenten Google und Amazon. Was die Kanadier besser machen, verrät der Test.

Japans größter Online-Händler Rakuten macht dem US-Riesen Amazon Konkurrenz: Die Japaner übernehmen weltweit E-Commerce-Seiten. Seit 2011 gehört auch der kanadische E-Book-Anbieter Kobo zum Rakuten-Konzern. Die kanadisch-japanischen E-Reader sind die bislang wohl besten Konkurrenzprodukte zu Amazons Kindle. Nun versucht es Kobo auf einem völlig neuen Markt mit Amazon und Google aufzunehmen: Kobo verkauft ein kleines Tablet.

Der Kobo Arc ist günstig (in den Niederlanden ab 199, in Deutschland ab 246 Euro), kompakt (17,8 cm Bildschirmdiagonale) und mit einem hochauflösenden Bildschirm ausgestattet (1280 x 800 Pixel). Das Kanada-Tablet spielt in einer Liga mit beliebten Geräten wie Amazons Kindle Fire HD und Googles Nexus 7.

Handhabung, Software, App-Auswahl – was kann das Kobo Arc besser als die US-Konkurrenz?

Das gefällt: leicht, kompakt und schnell

Form: Der Kobo Arc ist ein Mittelding zwischen dem sehr leichten Google Nexus 7 und dem größeren und schwereren Kindle Fire HD. Das Kobo Arc ist bequem mit einer Hand zu halten, es ist noch etwas kürzer als das Nexus 7, aber dafür etwas dicker. Es sieht robust aus, aber eleganter als das Kindle Fire HD, weil der schwarze Kunststoffrahmen um den Bildschirm nicht ganz so breit ausfällt wie bei Amazons Gerät. Die Rückseite des Arc ist von einer samtigen Kunststoffoberfläche überzogen. Sie fühlt sich gut an, ist aber anfällig für Fettflecken von den Fingerspitzen. Man kann diese Abdeckungen leicht gegen andere Farbvarianten austauschen.

Handhabung: Kobo hat auf dem Arc ein modifiziertes Android-System installiert. Die Veränderungen sind allerdings nicht so tiefgreifend wie bei Amazons Fire HD. Beim Kobo-System kann man die ganze Vielfalt von Android-Software, Filmen, Musik und E-Books in Googles Download-Shop kaufen. Der Zugang ist vorinstalliert, anders als bei Amazon. Kobo hat die Handhabung des Android-Systems um eigene Ideen ergänzt. Die sogenannten Galerien auf dem Startbildschirm sind eine Eigenentwicklung: In diesen erweiterten Ordnern kann man Apps, Dateien, Websites, Videos und Musikdateien nach selbst festgelegten Themengebieten sammeln. Man könnte die Flickr-App, lokal gespeicherte Fotos der letzten Geburtstagsparty und Foto-Blogs in einer eigenen Foto-Themengalerie einordnen. Eine interessante und gut umgesetzte Idee.

Display: Dank der hohen Auflösung eignet sich der Bildschirm des Kobo Arc gut zum Lesen. Man sieht bei reiner Textdarstellung keine pixeligen Kantenübergänge bei einzelnen Buchstaben wie es bei Sieben-Zoll-Tablets mit 1024 x 600 Pixeln Auflösung der Fall ist. Die Farben sind satt und kräftig, der Bildschirm hell. Allerdings spiegelt er stark, wie auch die Displays von Amazon Fire HD und Google Nexus 7. Im Freien liest man auf diesen Tablets schlecht.

Geschwindigkeit: HD-Videowiedergabe, aufwendig animierte Menüs, komplexe Websites – das Kobo Arc zeigt das zuverlässig schnell an, ohne spürbare Verzögerung. Den Messwerten von Testprogrammen zufolge ist das Kobo Arc schneller als das Kindle Fire und nahe an Googles Nexus 7.

Preis: Das Kobo Arc ist günstig. In Deutschland ist derzeit nur das Modell mit 32 Gigabyte Speicherplatz verfügbar, es kostet ähnlich viel wie Googles Nexus 7 mit derselben Ausstattung. Das 16-Gigabyte-Modell des Kobo Arc dürfte das Kindle Fire HD sogar unterbieten: 199 Euro kostet es in den Niederlanden, in Deutschland ist es derzeit nicht verfügbar. Amazons Fire HD kostet ohne Werbung und mit einem geschlossenen Android-System in Deutschland 214 Euro.

Nicht so gut: Filmauswahl, altes System

Medien-Angebot: Das Kobo Arc macht dem Nutzer den Medienkosum nicht so leicht wie das Kindle Fire HD. Beim Amazon-Tablet gibt es mit einem Login alles aus einer Quelle – von Amazon. Kobo hingegen bietet selbst keine Online-Musik, keinen Web-Video-Verleih und keine Digitalausgaben von Zeitschriften an. Das kann man aber auch als Vorteil sehen: Es sind Apps unabhängiger Dienste wie Rdio, 7digital und Cinemanow vorinstalliert. Man muss sich bei jedem Anbieter neu anmelden, bei Cinemanow erhält man den Hinweis, Videos verleihe man nur in Kanada. Warum ist die App dann auf deutschen Geräten eingerichtet? Man kann mit dem Kobo Arc aber jeden Dienst nutzen, der Android unterstützt. E-Books aus dem Kindle Store, Musik und Filme von Googles Download-Shop, Zeitschriften bei Zinio, Musik von Spotify.

Altes Android: Das Kobo Arc ist mit einer modifizierten Version von Android 4.04 ausgerüstet, einer Fassung aus dem März 2012. Ob und wann Nutzer des Kobo Arc die derzeit aktuelle Android-Fassung 4.2 installieren können, ist unklar.

Kobo-Werbeleiste: Die zweite Neuerung ist eine auf dem Startbildschirm ständig am unteren Rand eingeblendete Leiste mit Werbung für E-Books aus dem Kobo-Shop, Fotos und Videos aus dem Netz und Songs bei den Download-Angeboten von Kobo-Partnern. Die in dieser Leiste eingeblendeten Empfehlungen sollen sich am Geschmack des Nutzers orientieren, nach seinen bei Kobo gekauften E-Books und den in Galerien abgelegten Websites, Fotos, Musikdateien und Videos. Der Empfehlungsalgorithmus hat bei mir nicht funktioniert. Weil ich ein privates Video, das einen argentinischen Koch beim Grillen zeigt, auf meinem Tablet speicherte, empfahl mir Kobo das E-Book “Von Null auf Papa”. Weil ich Leo Perutz’ Roman “Zwischen neun und neun” als E-Book gekauft habe, empfahl mir Kobo Stephen Kings “Der Anschlag”.

Die Empfehlungsleiste lässt sich nicht ausblenden. Man kann aber dank des relativ offenen Kobo-Androids einen alternativen Launcher aus dem Play-Store installieren (zum Beispiel den ADW Launcher), dann ist die Kobo-Oberfläche komplett verschwunden.

Vorteile, Nachteile, Fazit

Vorteile:

  • guter Bildschirm mit hoher Auflösung
  • schnelle Hardware
  • Zugriff auf Googles App-Store
  • günstig

Nachteile:

  • Kein HMDI-Ausgang (zum Anschluss an Monitor und Fernseher)
  • Kein Speicherkarten-Steckplatz (zur Erweiterung)

Das Kobo Arc ist leichter und kleiner als das Amazon Kindle Fire HD, zudem ist die Vielfalt direkt installierbarer Android-Apps größer. Derzeit ist in Deutschland das billigste Kobo Arc mit 16 Gigabyte Speicherplatz nicht verfügbar. Diese Version kostet in den Niederlanden 199 Euro. Sollte dieses Arc zum selben Preis in Deutschland verfügbar sein, ist es ein besseres Angebot als das Kindle Fire HD.

Aber auch das jetzt erhältliche Kobo Arc mit 32 Gigabyte Speicherplatz für knapp 250 Euro ist dem Kindle Fire HD überlegen – mehr Apps, mehr Speicher. Wer etwas mehr ausgibt, erhält das bessere Tablet. Fürs Fire HD spricht nur der HDMI-Ausgang. Das Google Nexus 7 ist leichter und kompakter als beide Konkurrenz-Tablets – im Vergleich dazu landet das Kobo Arc auf einem guten zweiten Platz.

7-Zoll-Tablets: Kobo Arc, Kindle Fire HD, Nexus 7
Kamera Kobo Arc Kindle Fire HD Google Nexus 7 Samsung Galaxy Tab 2 7.0
günstigster Preis * 246 199 (mit Werbung, ohne Werbung 214 Euro) 248,95 189
Maße (Gehäuse, cm) 18,9 x 12 x 1,15 19,3 x 13,7 x 1,03 19,85 x 12 x 1,045 19,4 x 12,2 x 1,05
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 260,82 19,3 x 13,7 x 1,03 248,919 248,51
Gewicht (Gramm) 364 395 337 347
Bildschirm, Auflösung / Diagonale 1280 x 800 / 17,8 cm 1280 x 800 / 17,8 1280 x 800 / 17,8 cm 1024 x 600 / 17,8 cm
Betriebssystem Android 4.0.3 spezielles Android Android 4.1 Android 4.0.3
Prozessor DualCore 1,5 GHz DualCore 1,5 GHz QuadCore 1m3 GHz DualCore 1 GHz
Arbeitsspeicher 1 Gb   1 Gb 1 Gb
Speicherplatz 32 Gb (16 Gb 199 Euro / 64 Gb 294 Euro) 16 Gb 32 Gb 16 Gb
Speicherkartenplatz microSD
Funk W-Lan 802.11 b/g/n; Dualband-W-Lan mit zwei Antennen 802.11 b/g/n W-Lan 802.11 b/g/n; Bluetooth 3.0; W-Lan 802.11 b/g/n;
Anschlüsse USB 2.0 (Micro), 3,5 mm Klinke USB 2.0 (Micro) / Micro-HDMI, 3,5 mm Klinke 3,5 mm Klinke, Micro USB 3,5 mm Klinke, USB (proprietärer Samsung-Stecker),
Akku / Laufzeit (Herstellerangabe) 10 Stunden Lesen über 11 Stunden bei durchgehender Gebrauch 10 Stunden Lesen / 9 Stunden Videowiedergabe in HD 4000mAh
Sunspider Standardbrowser ** (Javascript Benchmark, weniger ist besser) 1561,3 1785,9 1757,7 2021,9
Sunspider Dolphin (Javascript Benchmark, weniger ist besser) 1556,4 1495,1 2150,3
CF-Bench (Prozessorleistung, mehr ist besser) 7952 6034 11735 5213
An3DBenchXL (Grafikleistung, mehr ist besser) 42928 37248 30443
* günstigster Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 17.1.2013 ** Chrome beim Nexus 7, Android Webkit bei Kobo Arc und Galaxy 7 2.0

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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