Zum Inhalt springen

Wii-u-Entwickler Katsuya Eguchi: "Viele Knöpfe - das ist gut"

Konrad Lischka
Konrad Lischka
4 minuten gelesen
Wii-u-Entwickler Katsuya Eguchi: "Viele Knöpfe - das ist gut"

Mit der neuen Wii u will Nintendo seinen ersten Platz verteidigen – mit einem Onlinedienst, doppelt so vielen Knöpfen und vielen Ideen für den Steuerschirm. Im Interview sagt Wii-Entwickler Katsuya Eguchi, was der Konzern mit der Konsole alles vorhat.

Spiegel Online, 9.6.2011

SPIEGEL ONLINE: Der Controller der neuen Nintendo-Konsole Wii u hat fast doppelt so viele Knöpfe wie die Wiimote. Ist das nicht etwas viel und verwirrend für die meisten Wii-Besitzer?

Eguchi: Stimmt, die Wii u bietet sehr viele Möglichkeiten der Bedienung. Und ja, wenn ein Spiel sie alle nutzt, könnte das kompliziert werden. Aber die Entwickler entscheiden, welche dieser Möglichkeiten sie einsetzen. Ein ganz einfaches Spiel könnte auf alle Knöpfe verzichten und nur den Touchscreen nutzen. Es kommt darauf an, was das Spiel braucht und für wen es gemacht ist.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem sieht es auf den ersten Blick so aus: Microsoft feiert sich dafür, dass bei der Bewegungssteuerung Kinect der Controller verschwindet und die Technik so zugänglicher wird. Und bei Nintendo wird der Controller plötzlich dreimal so groß wie zuvor. Wird das die Gelegenheitsspieler nicht verschrecken, die die erste Wii so erfolgreich gemacht haben?

Eguchi: Grundsätzlich glauben wir, dass es der Spielerfahrung hilft, wenn man etwas Handfestes hat, mit dem interagiert. Zur Wahrnehmung, dass Nintendo sich mit der Wii auf Gelegenheitsspieler fokussiert hat: Das war nicht so. Wir wollten die Zahl der Spieler insgesamt steigern. Wir haben uns aber nie gegen Vielspieler entschieden. Die Wii u ist ein Signal: Wir wollen, dass Spieler, die Konsolen lieben, mit der Wii u so spielen können, wie sie es gewöhnt sind. Deshalb viele Knöpfe.

SPIEGEL ONLINE: Ist der zweite Schirm eine Möglichkeit, dass Viel- und Gelegenheitsspieler eine Spielwelt teilen, aber zusammen unterschiedlich schwierige Versionen spielen?

Eguchi: Ja, die Technik ermöglicht das. Entwickler könnten die zwei Schirme für so etwas nutzen und so vielleicht Gelegenheitsspieler anlocken.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie sich die Wii u in einem Wohnzimmer bei einer Familie vorstellen – wer benutzt da den Controller?

Eguchi: Als erstes Bild habe ich einen Jungen im Kopf. Er spielt mit der Wii u, dann kommt der Rest der Familie ins Wohnzimmer, sie wollen fernsehen. Der Junge spielt auf dem kleinen Display des Controllers weiter – er kann im Zimmer bleiben und spielen, während die Familie fernsieht. Ich stelle mir auch vor, wie die Familie zusammen spielt – einige mit Wiimote, einer mit dem Controller. Ich hoffe, die Wii u bringt Familien zusammen. Es geht darum, mehr Zeit miteinander zu verbringen.

SPIEGEL ONLINE: Kann ich zwei der neuen Controller mit einer Wii u nutzen?

Eguchi: Ich kann nicht offiziell sagen, wie viele der neuen Controller mit einer Wii u verbunden sein können. Ich kann aber sagen, dass ich als Entwickler die Möglichkeiten, die zwei Schirmcontroller bieten, sehr reizvoll finde. Zwei Spieler verfolgen völlig unterschiedliche Detailansichten des Spielgeschehens – das will ich sehen.

SPIEGEL ONLINE: Kann man die Fernbedienung der Wii u auch wie ein Tablet nutzen, wenn die Konsole ausgeschaltet ist?

Eguchi: Nein, alles was auf dem Bildschirm des Controllers sieht, berechnet die Konsole. Aber sobald sie den Controller einschalten, geht auch die Konsole an – sie sind verbunden.

SPIEGEL ONLINE: Der Controller ist also ein Sofa-Tablet?

Eguchi: Ein Tablet ist ein sehr persönliches Gerät – es gehört meist einer Person, die Konfiguration spiegelt sehr stark ihre Interessen wieder. In dieser Hinsicht ist der Controller der Wii u etwas ganz anderes als ein Tablet. Natürlich, er hat auch einen Webbrowser integriert. Aber die Nutzung stelle ich mir eher so vor: Eine Familie sitzt im Wohnzimmer, einer sucht mit dem Controller etwas im Netz und zeigt ein lustiges Webvideo oder ein Angebot in einem Webshop dann für alle auf dem großen Fernsehschirm. Im Mittelpunkt steht das Teilen.

SPIEGEL ONLINE: Bei den ersten Mini-Spielen für die Wii u sind die Gruppenspiele am unterhaltsamsten. Aber was haben Sie denn für Ideen, wie ein Einzelspieler die Schirmsteuerung nutzen könnte?

Eguchi: Ich stelle mir ein Strategiespiel vor, bei dem man auf dem Fernsehschirm das gesamte Spielfeld überblickt. Auf dem kleinen Schirm sieht man eine Vergrößerung mit detaillierten Informationen zu den Einheiten und kann Kommandos geben. Man bewegt den Controller einfach über das große Feld, die Anzeige verändert sich automatisch. Eine andere Idee: Auf dem großen Fernsehschirm sehe ich die Umwelt, auf dem kleinen meine Pikmins, meine Spielfiguren. Ich schicke sie mit Hilfe des Controllers in bestimmte Richtungen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn mir für ein Spiel wie “Battle Mii” der dritte Spieler im Wohnzimmer fehlt – kann der nicht übers Netz mitspielen?

Eguchi: Ob und wann das bei “Battle Mii” funktioniert, weiß ich nicht. Aber wir wollen die Online-Spielmöglichkeiten ausweiten, so dass Freunde, aber auch ganz Fremde miteinander spielen können. Wir werden diese Netzwerk-Fähigkeiten ausbauen.

SPIEGEL ONLINE: Wir zählen ein paar Technologien auf, die die Wii u nicht nutzt, und Sie sagen uns, warum. Fangen wir an mit 3-D.

Eguchi: Das ist erst sinnvoll, wenn genügend Menschen 3-D-Fernseher haben. Das ist derzeit nicht der Fall. Wir lehnen 3-D nicht ab. Aber wir führen die HD-Auflösung mit der Wii u ja auch erst jetzt ein, weil HD-Fernseher weit verbreitet sind. Wir werden auch das Videoangebot ausbauen, es kommt gut an.

SPIEGEL ONLINE: Multitouch.

Eguchi: Der Bildschirm wird vor allem als Spielcontroller dienen. Deshalb muss er sehr präzise und sehr reaktionsschnell sein. Multitouch-Displays sind da nicht auf dem Niveau, das wir brauchen. Außerdem sind Nintendo-Spieler zwischen neun und 95 Jahre alt. Das ist unsere Zielgruppe. Wir haben festgestellt, dass Multitouch-Bildschirme die Haut alter Spieler nicht so gut erkennen.

SPIEGEL ONLINE: Spracherkennung.

Eguchi: Spracherkennung ist grundsätzlich möglich, das hängt von den Anforderungen der Software ab. Video- und Sprachchat funktioniert natürlich auch.

SPIEGEL ONLINE: Wie beschreiben Sie Menschen, die die Wii u nicht kennen, die Idee in einem Satz?

Eguchi: Die Wii u ist eine Konsole, mit der man allein und in Gruppen spielen kann. Wir hoffen, dass jeder in einer Familie täglich die Wii u nutzt. Das waren jetzt zwei Sätze.

 

 

Katsuya Eguchi, 46, ist Software-Entwicklungschef in der Nintendo-Abteilung “Entertainment Analysis & Development”. Er arbeitet seit 1986 für Nintendo, hat Spiele wie “Star Fox”, “Animal Crossing” und “Wii Sports” produziert. Er verantwortet die Softwareentwicklung von Nintendos neuer Konsole Wii u..

{jumi [*5]}

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
Immer gut: Newsletter abonnieren


auch interessant

Wer investiert in die Zukunft, wenn alle sparen?

Der common senf aktueller Debatten um Staatsausgaben, Tarifverhandlungen und Zinspolitik scheint mir gerade ein gefährlicher: Alle sollen sparen. Der Staat soll weniger ausgeben und damit der Gesamtwirtschaft Geld entziehen. Arbeitnehmer sollen Reallohnverluste akzeptieren, sparen und damit der Gesamtwirtschaft Geld entziehen. Und Unternehmen sollen sparen, bloß keine Kredite aufnehmen für Investitionen

Wer investiert in die Zukunft, wenn alle sparen?

Paradox der Gegenwart

Einerseits sehen so viele Menschen ihre individuellen (Konsum)Bedürfnisse als das wichtigste Gut, als absolut schützenswert. Überspitzte Maxime: Was ich will, ist heilig – alles geht vom Individuum aus. Andererseits erscheint genauso viele Menschen das Individuum ganz klein, wenn es darum geht, etwas zu verändern in der Welt. Überspitzte Maxime: Ich

Paradox der Gegenwart

Wie Schmecken funktioniert

Gelernt: Geschmack und Aroma sind zwei ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Für jede ist ein anderer Teil im Gehirn verantwortlich. Und jede basiert auf unterschiedlichen Daten: Für den Geschmack kommen Eindrücke von der Zunge, fürs Aroma von Rezeptoren in der Nase. Beides vermischt das Gehirn zum Gesamteindruck Schmecken. Sehr lesenswerter Aufsatz darüber

Wie Schmecken funktioniert